Fischunkelalm

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Fischunkelalm

83471Schönau am KönigsseeBayernDeutschland47.51285212.9964
Berchtesgadener Land > Schönau am Königssee > Fischunkelalm
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Fischunkelalm

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Ort: 83471 Schönau am Königssee
Lage: Karte zeigen

Im Berchtesgadener Land gibt es zweifelsohne eine Vielzahl von idyllisch gelegenen Almen. Die Fischunkelalm allerdings meint ein ganz besonders Schmuckstück.

Fischunkelalm

Wenn Sie in Salet ankommen sind, trennt Sie eine Stunde Fußmarsch von diesem wunderhübschen Fleckchen Erde. Zuerst geht es gemächlich am Westufer des Obersees entlang. Dann steigt der Weg steil an. In die unzugänglichen Felswände hineingesprengt und mit Seilen gesichert, ist er nur für schwindelfreie Wanderer zu bewältigen. Die Almhütte liegt rund 100 Meter südlich des Gewässers. Wer in Anbetracht des tosenden und wütend rauschenden Röthbachfalls einen reißenden Fluss hinter dem Gebäude erwartet, wird überrascht. Die Wassermassen der mächtigen Kaskade verschwinden hinter der Fischunkel im Boden. Dies begründet sich durch die anmoorigen geologischen Verhältnisse. Der Untergrund besteht aus lockeren Geröllmassen, durch die die Fluten ungesehen gen Obersee abfließen können. Dort treten sie in einer großen Quelle wieder zu Tage.

So gespeist, verfügt der See über ungewöhnlich klare, wasserstoffreiche Wässer. Sein Fischreichtum ist weit über das Berchtesgadener Land hinaus bekannt. Haben Sie die steile Passage in den Felsen des Obersees hinter sich gebracht, begrüßt Sie die Sennerin der Fischunkelalm. Täglich kredenzt sie den Wanderern ihre hausgemachten Produkte. Milch, Butter, Almkäse und auf dem Hof geselchter Speck stehen auf der Speisekarte. Übrigens: Die Fischunkel ist mehr als nur landschaftlich einmalig. Die Kühe müssen als einzige unter ihren Berchtesgadener Artgenossen beim Almauftrieb nach unten laufen. Eigentlich sind sie auf dem Obersalzberg heimisch. Die Fischunkel breitet sich auf 620, der Heimathof auf knapp 1000 Metern Höhe aus. Ein Kuriosum!

Ein alljährliches Highlight am Obersee

Fischunkelalm

Der Almauftrieb im Frühjahr geschieht meist heimlich, still und leise. Neigt sich der Sommer dem Ende zu und färben sich die Wälder um den Obersee in den herrlichsten Schattierungen, ist es Zeit für die Rückkehr auf den heimischen Hof. In Berchtesgaden tragen die Tiere beim Almabtrieb einen besonderen Kopfschmuck. In wochenlanger Handarbeit basteln die Sennerinnen und Bauersfamilien die sogenannten "Fuikln". Auf die Latschenzweige oder Tannenwipfel werden kleine Kunstwerke aufgesetzt. Dazu färbt man gehobelte Holzbänder, im Berchtesgadener Land "G'Schabertband'ln" genannt in die fröhlichsten Farben ein. Diese extrem flexiblen Bänder müssen ganz frisch sein. Nur dann machen sie jede noch so abenteuerliche Faltung mit. Mit Geschick und viel Übung gelingen daraus blumenartige Kränze. Diese befestigt man mit Nadel und Faden auf den Tannenwipfeln. Bis zu vier Reigen schmücken am Ende das Kunstwerk. Für nur eine Fuikl benötigt man mindestens 25 bis 30 Stunden Arbeitszeit.

Das "Kranzen" der Kühe wird immer dann praktiziert, wenn der Almsommer glücklich verlaufen ist. Ist ein Familienmitglied verstorben oder eine Kuh abgefallen, geht man ohne Kopfschmuck. Ärgern Sie sich also nicht, wenn Sie ab Ende August die tierischen Prozessionen bestaunen und einen ungeschmückten Tross entdecken. Die Familie beklagt in diesem Fall einen Trauerfall. Verlief der Sommer ohne Komplikationen, werden auch die Kühe der Fischunkelalm künstlerisch aufgekranzt die Heimreise antreten. Die exponierte Almlage am Obersee verlangt nach einer findigen Transportmöglichkeit. Früher mussten die Tiere den steilen Weg durch die Felswände des Sees meistern. Heute steht ein Boot für sie bereit. Nehmen Sie auf einer Bank am Ufer Platz und genießen Sie diesen ungewöhnlichen Almabtrieb. Eine Kranzkuh nach der anderen gleitet übers Wasser und lässt Ihnen Zeit zum Staunen und Fotografieren!